Rückblick Demo Day Runde 5: Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne.

Vor gut vier Wochen hatten wir das Vergnügen, gemeinsam mit den Projekten der 5. Förderrunde zum Themenschwerpunkt “Maschinen lernen lassen” und vielen Gästen im Forum Digitale Technologien einen weiteren Demo Day zu feiern.
Was sich nach Ende anhört, ist eigentlich erst der Anfang für die spannenden Weiterentwicklungen, die die “fertigen” Prototypen noch vor sich haben.

Weil es immer auch darum geht, zu reflektieren, was wir während der Förderphase über Public Interest Tech, Strategien der Zusammenarbeit oder die Fokus-Themen (diesmal: Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen) gelernt haben, wollen wir an dieser Stelle mit euch gemeinsam den Tag revue passieren lassen – den Rückblick stimmen wir ein mit diesem Video, das den Demo Day und die Atmosphäre wunderbar einfängt:

Mit zwei geladenen Gästen wurde das weite und viel diskutierte Feld Maschinenlernen aufgemacht und eingebettet:

Lea Gimpel, Senior-Expertin am Kompetenzzentrum Digitale Gesellschaft der GIZ und Co-Leitung des Fair AI-Projekts, hat uns Perspektiven auf emergente Technologien aus der Entwicklungszusammenarbeit und Open Data eröffnet. Sie arbeitet aktuell in Kooperation mit Mozilla an einem Projekt zu “Voice Commons” in Ruanda und hat ihre spannenden Insights, wie man in der Arbeit mit datenintensiven Technologiefeldern wie KI verantwortlich handelt, mit uns geteilt (Klick für die Präsentationsfolien).
Bei der Erschließung emergenter Technologien für den Markt kommt es noch oft dazu, dass großen Gruppen an Nutzer*innen der Zugang zu diesen und zu ihrer Mitentwicklung verwehrt bleibt, weil sie bei der Erstellung der Grundlagen der Innovationen systematisch ausgeschlossen werden. Das fördert den Digital Divide, anstatt ihn zu schließen.

Unser zweiter Gast, Professor Klaus-Robert Müller vom Berlin Center for Machine Learning, Vertreter der Berliner Spitzenforschung und Experte für KI (und deren mediale Überhöhung), hatte für seinen anspruchsvollen und dennoch kurzweiligen Vortrag (Klick für die Präsentationsfolien) eine Bilderauswahl der beliebtesten Netzbewohner mitgebracht – Katzen, aber auch die Geschichte eines erstaunlichen Pferdes – des Klugen Hans – das, so hatte es zumindest den Anschein, komplexe Rechenaufgaben lösen konnte.
Wie sich herausstellte: Das Tier beherrschte zwar nicht wirklich Arithmetik, wohl aber eine sehr frühe Variante von Gesichtserkennung: Es reagierte auf feinste Änderungen in Mimik und Bewegung im Körper seines Gegenübers während es die Rechenaufgabe “löste”.
Heute sind wir in der Entwicklung und Forschung zu maschinellen Lernsystemen schon weiter vorangeschritten – ganz so opak wie medial oft dargestellt, geht es aber in der Realität gar nicht zu: es brauche nur den Mut zum Mitgestalten.
Eine weitere spannende Erkenntnis aus dem Vortrag von Professor Müller: FOSS wird auch in den Berliner Universitäten und Forschungszentren und generell in der Wissenschaftslandschaft viel und gern genutzt.
Auch hier gibt es also Potenzial, um gemeinsam zu entwickeln, Konzepte weiter zu testen und voneinander zu lernen.

Nicht nur durch die Präsentationen Workshops und Panels zu den Themen KI und ML, Aufklärung und Transparenz sowie Security, Mobile & Datensouveränität haben wir unseren Horizont erweitern können, sondern auch durch die Takeaways aus der Coding-Phase der Projekte.

Drei konkrete Lernkurven (die nur drei von vielen waren):

  • Mit Scheinfunktionen (wie beim Klugen-Hans) haben wir es auch in Algorithmen öfter zu tun

    und sollten deshalb nicht unhinterfragt unser Vertrauen als Nutzer*innen an diese delegieren. Deutlich zeigte das z.B. das Projekt “Manipulation”.

  • Wenn neue Technologien aufkommen, ist das regulatorische Rahmenwerk oft noch nicht bereit für den Roll-Out

    So ist teils die Herkunft von einzelnen Bildern in Trainingsdatensets und ihre rechtliche Absicherung ungeklärt; häufig orientieren sich frei verfügbare Trainingsdaten noch zu sehr an Absatzmärkten und Konsumenten und liefern keine geeigneten Objekte für andere, emanzipatorische Anwendungszwecke. Abhilfe schaffen können hier u.a. 3D-generierte synthetische Datensets. So z.B. im Projekt VCAT, das synthetische Datensätze von verbotener Cluster-Munition erstellt und nutzt, um aus Bildern aus Konfliktgebieten auf Grundlage von Open Source – Intelligence Informationen darüber zusammenzutragen, ob sich von den Kriegsparteien an geltendes Recht gehalten wird.

  • Eine mögliche Benachteiligung von bestimmten Teilen der Gesellschaft durch gebiaste Algorithmen kann und sollte man genau beobachten.

    Dazu bietet u.a. Algoneer die Gelegenheit, ein Toolkit zum Verstehen dieser technischen Blackboxes.

  • Wir freuen uns darauf, diese und alle weiteren Projekte über unser Alumni-Netzwerk auch bei den nächsten Schritten zu begleiten!

    Für weitere Bilder des Tages bitte hier entlang:

    Job: Kommunikationstalent für Content-Strategie gesucht!

    Der Prototype Fund ist das erste Förderprogramm in Deutschland, das selbständige Softwareentwickler*innen, Hacker*innen und andere Kreative finanziell und ideell dabei unterstützt, ihre Ideen in den Bereichen Civic Tech, Digital Literacy, IT-Sicherheit und Software-Infrastruktur umzusetzen. Wir (Adriana, Katharina, Marie & Thomas) testen gemeinsam mit unseren Förderprojekten das Potenzial von technischen Innovationen für die Gesellschaft und wollen die spannenden Geschichten aus unserer Community noch vielfältiger kommunizieren.

    Dafür suchen wir zum 1. Januar 2020 ein Kommunikationstalent zur Verstärkung des Teams. Berufseinsteiger*innen sind herzlich willkommen!

    Du willst gemeinsam mit uns den Prototype Fund gestalten, Public Interest Tech in Deutschland voranbringen und die Ideen der Entwickler*innen in die Öffentlichkeit tragen?
    Du bist Macher*in, hast Lust, dich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen? Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung auf das

    Kommunikations- und Content-Management (*/w/m)

    Im Rahmen deines Jobs kommunizierst du die Arbeit der Projekte und des Prototype Funds über verschiedene Kanäle. Dabei hast du die gesamte Tech-Community im Blick und nutzt proaktiv Möglichkeiten, unser Narrativ zu platzieren. Du unterstützt die aktuell Geförderten und Alumni dabei, sich und ihre Ideen vorzustellen und sich zu vernetzen. Welche Formate wir dafür nutzen und wie wir diese (weiter) entwickeln wollen, erarbeitest und gestaltest du gemeinsam mit dem Team.

    Du solltest grundlegende Kenntnisse in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Content-Produktion mitbringen und eine gute Schreibe haben. Es fällt dir leicht, verschiedene Formaten für unterschiedliche Zielgruppen zu übersetzen und dabei ein Auge für Details und Ästhetik zu behalten. Du denkst strategisch über Kommunikationsformate und Ausspielwege nach und es macht dir Spaß, die daraus entstehenden Formatideen verantwortlich umzusetzen. Du bringst ein gutes Gefühl für Prios mit und verlierst auch in intensiven Projektphasen nicht den Überblick.

    Deine Aufgabenbereiche sind:

    • Planung, Erstellung und Ausspielung von Inhalten für unsere Social-Media-Kanäle
    • Contentproduktion und Redaktion für unsere Website und regelmäßiges eigenständiges Updaten des CMS mit diversen Inhalten
    • Vorstellung der geförderten Projekte auf der Website und in Videos
    • Konzeption, Redaktion und Planung für ein neues Podcast-Format
    • Kommunikative Begleitung unserer Community- und Abschluss-Events
    • Kommunikative Begleitung der Alumni
    • Koordination der Gestaltung und Produktion von Merch und weiteren Projektmaterialien

    Wichtig für uns ist:

    • Du hast überdurchschnittliches Interesse an technischen Themen, Innovationen und Open-Source-Entwicklung und kannst auch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich vermitteln
    • Du kennst dich mit gängigen CMS und Projektmanagement-Tools aus und kannst idealerweise auch Grafiken bearbeiten,
    • Du organisierst und koordinierst gerne und kannst selbständig Prioritäten setzen,
    • Du bist Teamplayer*in,
    • Unsere Arbeitssprache ist Deutsch (Sprachniveau C2), but: You can write beautifully in English, too, and you’re not afraid of speaking in front of an audience!
    • Toll wäre, wenn du bereits Erfahrungen und Kontakte in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mitbringst!

    Wir bieten dir:

    • Die Mitarbeit an einem spannenden Projekt mit einer engagierten Community und einem großartigen Team,
    • Zugang zu unserem deutschen und internationalen Netzwerk,
    • Den Freiraum, Themen einzubringen und neue Formate auszutesten,
    • Unterstützung in deiner beruflichen Weiterentwicklung,
    • Die Flexibilität, dir deine Aufgaben und deine Arbeitszeiten in Absprache mit dem Team frei einzuteilen.

    Vertragsbeginn: Zum 1. Januar 2020 oder so bald wie möglich.
    Zeitlicher Aufwand: 40h/Woche
    Gehalt: nach TV-L E12/S1
    Ort: Berlin
    Die Position ist bis Februar 2021 befristet.

    Wir freuen uns auf deine Bewerbung mit den üblichen Unterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, bitte ohne Foto) bis zum 15. November 2019 an: bewerbung@prototypefund.de.

    Prototype-Metriken: Wann ist Förderung erfolgreich?

    Die Menschen hinter Förderprogrammen sind Profis darin, die Leistungen anderer zu bewerten. Aber auch Förderprogramme selbst brauchen Evaluationsmetriken. Denn wie sonst können wir behaupten, dass sie förderlich sind? Wir beim Prototype Fund wollen wissen, was wir eigentlich bewirken. Und dafür haben wir uns an unser eigenes Motto gehalten: Auch unsere Metriken sind ein Prototyp, den wir ständig testen und verbessern wollen.

    Mehrdimensional: So wirkt der Prototype Fund

    Wir glauben: Wie wirksam der Prototype Fund ist, hängt nur zum Teil von uns ab. Deshalb haben wir die Personen gefragt, die unsere Wirksamkeit am besten beurteilen können – unsere Geförderten. Mit den Projekten der ersten Runde haben wir in qualitativen Interviews verschiedene Kriterien für Fördererfolge herausgearbeitet, die der ganzen Bandbreite von Innovationen im Bereich Public Interest Tech gerecht werden. Diese entfallen auf vier verschiedene Wirkungsdimensionen:

    1.) Projektfortschritt

    Diese Dimension geht beispielsweise folgenden Fragen nach: Welche Funktionen hat ein Projekt durch die Förderung dazugewonnen? Wie gestaltet sich die Zeit nach der Förderung? Wird weiter am Projekt gearbeitet, wird das Werkzeug genutzt? Gründen die Teammitglieder eine Firma, einen Verein, und bemühen sie sich um weitere Förderung?

    2.) Open-Source-Code als offenes Wissen

    Der Prototype Fund fördert ausdrücklich innovative Open-Source-Projekte, um die Grundlagen für neue technologische Entwicklungen zu stärken und zum gemeinschaftlich verfügbaren Wissen beizutragen. Gibt es für die entwickelte Codebasis weitere Beitragende, wurde er von anderen genutzt oder geforkt?

    3.) Persönliche Entwicklung

    Ein für uns unerwarteter Schwerpunkt in den Antworten war die persönliche Weiterentwicklung der Geförderten, die diese in den Interviews häufig thematisierten. Gerade weil der Prototype Fund Selbständige fördert und nicht Unternehmen oder Organisationen, kann schon eine sechsmonatige Förderphase besonders bei jungen Menschen Auswirkungen auf den Berufsweg haben: Waren sie vor der Förderung bereits selbständig oder nicht, und wird die Selbständigkeit nach der Förderung weitergeführt? Welche Kompetenzen und Kenntnisse haben die Geförderten erworben, zum Beispiel durch unsere Coachings? Profitieren sie davon auch weiterhin? Welche Qualifikationsmaßnahmen sollten wir zusätzlich anbieten?

    4.) Öffentliche Förderung als viables Mittel

    Für uns als Forschungsprojekt ist außerdem interessant, wie der Prototype Fund im Vergleich zu konventionellen öffentlichen Förderprogrammen abschneidet. Wie hat sich die Einstellung der Geförderten zu Themen wie Selbständigkeit, Existenzgründung und öffentlicher Förderung verändert? Haben sie danach aus anderen Quellen weitere Förderung erhalten?

    Anhand der ersten Interviews haben wir für die folgenden Runden einen strukturierten Interview-Leitfaden ausgearbeitet, den wir immer weiter verbessern wollen, um unsere Wirkung besser zu erfassen.

    Perspektivwechsel: Ja, bitte!

    Bei unseren Interviews haben wir vor allem gelernt, dass wir noch viel lernen können: Es lohnt sich, evaluiert zu werden und die Geförderten nach ihren Einschätzungen zu fragen. Dank ihnen konnten wir den Prototype Fund durch eine neue Brille betrachten und haben gemerkt, dass wir auch auf ganz andere Weise wirken, als wir zunächst dachten, und sogar Karrierewege beeinflussen. Das bringt Verantwortung mit sich, der wir gerecht werden müssen.
    Außerdem setzen wir in Zukunft bei unseren Metriken noch stärker auf qualitative Daten statt auf quantitative Messungen. Ein einheitliches Erfolgsmaß wird der Vielfalt der Open-Source-Welt nämlich nicht gerecht. In qualitativen Interviews können wir auch besser erfahren, ob die Förderung für Projekterfolge gesorgt hat, oder ob andere, externe Faktoren dafür (mit-)verantwortlich waren.

    Failosophy

    Wir wollen stetig besser werden – und dafür müssen wir wissen, wo es noch hakt. Deshalb geben wir unseren Projekten Raum für ehrliches und kritisches Feedback. Wir haben von ihnen viele Anregungen erhalten, die wir inzwischen auch umsetzen: Weitere Coachings im Bereich Finanzen und Steuern, Projektmanagement und Kommunikation, eine klare Benennung von Ansprechpartner*innen für verschiedene Themen und zusätzliche Treffen mit der Prototype-Community zum Beispiel.
    Indem wir ständig Neues ausprobieren und es gemeinsam mit denen, die wir fördern, evaluieren, folgen wir unserer eigenen Forderung nach mehr Mut zu “Failosophy” und können den Prototype Fund Stück für Stück verbessern.

    Reporting, aber sinnvoll

    Wir wollen keine Zahlen zu Codezeilen oder Webseitenzugriffen. Unsere Projekte sind erfolgreich, wenn sie die entwickelte Software unter einer offenen oder freien Lizenz bereitstellen und einen kurzen Bericht abliefern. In diesem Bericht verzichten wir auf große Budget-Pläne und detaillierte Meilensteine. Stattdessen leben wir auch hier Failosophy und bitten die Projekte, nicht nur ihre Erfolge, sondern gerade auch ihre Misserfolge darzulegen. Dabei wollen wir wissen: Was habt ihr gelernt? Wobei habt ihr euch vielleicht verschätzt? Was waren Sackgassen, die einfach nicht zum Ziel geführt haben, und warum? Oft sind das die spannendsten und lehrreichsten Teile der Berichte und enthalten Wissen, von dem andere mehr profitieren können als von reinen Erfolgsgeschichten.

    Unser Fazit nach drei Jahren Prototype Fund lautet deshalb: Förderprogramme können sehr viel bewirken, aber auch einiges falsch machen. Deshalb ist ihre kontinuierliche Auswertung essentiell. Hypothesen, die man beim Designen des Programms hatte, können sich als teilweise falsch herausstellen und Verbesserungen nötig machen. Fehlerkultur leben heißt auch, nachjustieren zu können. Wir hoffen, dass andere Förderprogramme es uns nachmachen, die eigene Arbeit ehrlich hinterfragen und gemeinsam mit den geförderten Projekten an stetiger Verbesserung arbeiten.

    Unser Themenschwerpunkt für Runde 7: Engineering Trust – Vertrauen bauen

    Gesellschaften und Informationslagen werden immer komplexer. Gleichzeitig werden mehr und mehr Bereiche unseres Alltags und des sozialen Zusammenlebens von Technologien durchdrungen. Diese Entwicklungen brauchen Vertrauen.

    Vertrauen ist ein Konzept zwischen zwei Zuständen: In Kontexten, in denen umfassendes Wissen vorhanden ist, wird es nicht benötigt und in Situationen, in denen es überhaupt keine Informationen gibt, ist es nicht möglich.

    Mit Vertrauen kann man Regelmäßigkeiten aufbauen, Handlungsspielraum gewähren und die Welt gestalten. Wir vertrauen Menschen, nicht unbedingt Dingen.
    Als Explorable Explanation zeigt das zum Beispiel die Evolution des Vertrauens​ von Nicky Case.

    Wenn Vertrauen im Allgemeinen die Grundlage für soziale Interaktion ist, wie genau kann dann der (technologische) Zustand dieser Vertrauensbeziehungen erfasst werden?
    Wie kann man etwas vertrauen, das zum Großteil unsichtbar ist und aus abstrakten Bits und Bytes besteht? Und welche Technologien haben das Potenzial, für mehr Vertrauen zu sorgen?
    In den vergangenen Prototype-Fund-Runden gab es bereits gute Beispiele dafür, wie Trustable Tech oder das Nutzen von Technologien zugunsten von Vertrauensbildung in der Praxis aussehen kann:

  • Lightbeam: ​Visualisiert Third-Party-Tracker und informiert Nutzer*innen darüber welche Seiten ihren Datenspuren folgen.
  • Reproducible Builds:​ Ermöglichen es, die Authentizität von Open-Source-Paketen für Software zu verifizieren.
  • Follow The Grant:​ Zeigt, welche Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen Geld von Unternehmen erhalten.
  • Algoneer: Ein Tool, mit dem Entwickler, NutzerInnen und Tester transparente, robuste und faire algorithmische Systeme erstellen können.
  • Securedrop:​ Ermöglicht es, Journalisten und Hinweisgeber*innen, vertraulich zu kommunizieren
    • In unserer Begleitforschung zum Rundenschwerpunkt wurde jedoch deutlich: Es gibt noch weiteren Handlungsbedarf und Herausforderungen, denn nicht nur durch Web3-Technologien werden wir uns häufiger damit beschäftigen müssen, was es für die Gesellschaft bedeutet, Vertrauen in technologischen Strukturen abbilden zu wollen.

      Während Technologie durchaus Potenziale hat, Transparenz und Vertrauen herzustellen, kann sie entweder durch undurchsichtige Funktionsweisen (wie bei Algorithmen oder Dark Patterns) oder in der Funktionalität angelegten Sinnestäuschung (z.B. durch Deepfakes) ebenfalls dazu beitragen, dass unsere Medienumwelt bei immer niedrigeren Zugangsschwellen nicht unbedingt leichter zu navigieren wird.

        Auch Betreiber*innen von Plattformen und Serviceprovider sollten darüber nachdenken, was es bedeutet, das Vertrauen seiner Nutzer*innen zu genießen.
        So war z.B. das soziale Netzwerk Facebook in jüngster Zeit in eine Vielzahl an Datenskandalen verwickelt, anderenorts wurden durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen E-Mail-Adressen und Passwörter gestohlen oder massenhaft Sicherheitslücken in kritischer Hardware wie Routern gefunden.

        Wir suchen bis 30. September 2019 eure Ideen insbesondere in den folgenden Bereichen und haben für euch diese bereits existierende Ansätze zusammengetragen:

        • Transparenz & Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen

          Internet resources for investigative work on EU lobbying: https://corporateeurope.org/en/research-toolbox-1

        • (Investigativ-)Journalismus und Open Source Intelligence

          Die datengetriebenen Untersuchungen von https://forensic-architecture.org/ oder
          das Toolset des Antikorruptionsprojekts OCCRP, “helping investigative reporters across the globe to follow the money using secure technology and data alchemy”

        • Verifikation & Datenforensik

          phishdetect, ein einfaches Diagnosetool für Phishing-Versuche gegen at-risk-user

        • Vertrauen in Institutionen & Rechenschaftspflicht

          Frag den Staat, eine gemeinnützige Plattform, die es Bürger*innen erleichtert, Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu stellen

        • Sichere Kommunikation & Verschlüsselung

          Wire, eine offene Kommunikationsplattform für die Zusammenarbeit in Teams oder Interessengruppen
          GPG, ein freies Kryptographiesystem zum Ver- und Entschlüsseln von Daten sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen
          Sicherheit von Software
          LibreSSL, eine freie Implementierung des Verschlüsselungsprotokolls TLS für Webseiten etc.: https://en.wikipedia.org/wiki/LibreSSL

        • Blackbox vs. Open Box

          Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Open Source an sich ist ein Prinzip, das für viele kritische Infrastrukturen bessere Kontrollmöglichkeiten herstellt.

        • Vertrauen durch Normen, Transparenz & Netzwerke

          New Organs​, ein Projekt der Künstler Tega Brain und Sam Lavigne, dass Theorien und Tatsachen zum Überwachungskapitalismus sammelt, archiviert und untersucht: https://neworgans.net/

        • Social Media & Desinformation

          Anti-Misinformation Tools / Knight Foundation: https://knightfoundation.org/articles/20-projects-will-address-the-spread-of-misinformation-through-knight-prototype-fund

        • Vertrauen durch Design

          Tricky Sites​, eine Seite die sogenannte Dark Patterns auf E-Commerce Webseiten aufdeckt

        • Verbraucherschutz

          Provenance​, eine Plattform, die wichtige Produktinformationen und Lieferketten sammelt und teilt

    Networking for Impact – Prototype Fund meets Social Entrepreneurship

    Vernetzt euch! Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und der Prototype Fund laden zum gemeinsamen Networking ein.

    Technologie spielt bei lokalen und globalen Herausforderungen, wie zum Beispiel Klimawandel, Bildung und Menschenrechte, eine immer wichtigere Rolle. Gleichzeitig geht eine neue Generation von Sozialunternehmer*innen diese sozialen Herausforderungen an der Wurzel an und stellt die gesellschaftliche vor die finanzielle Rendite.

    Sowohl Sozialunternehmer*innen als auch die Tech-Community können von einer gemeinschaftlichen Kollaboration nur profitieren. Wir bieten euch die Möglichkeit, euch über Tools, Technologie und Unternehmertum zu informieren, euer Netzwerk über die Grenzen eurer eigenen Community hinaus zu erweitern und eure zukünftigen Partner und Mitarbeiter*innen kennenzulernen.

    Ob durch den Aufbau gemeinsamer Projekte oder auch einfach durch das Voneinanderlernen: Vernetzt euch, bildet Allianzen und erreicht mehr Impact bei euren Projekten!

    Bitte meldet euch unter events@prototypefund.de an. Wir haben eine begrenzte Anzahl von Plätzen.

    Wo: im ImpactHub Berlin
    Wann: Mittwoch 10.07.19

    Eintritt ab 18.30 Uhr, Beginn: 19 Uhr. Für Getränke und Snacks wird gesorgt.

    Wer sind wir?

    Der Prototype Fund unterstützt Softwareentwickler*innen, Hacker*innen und Kreative dabei, digital-soziale Innovation vom Konzept bis zur ersten Demo umzusetzen. Wir fördern Open-Source-Projekte in den Bereichen Civic Tech, Data Literacy, Datensicherheit und Software-Infrastruktur.

    Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland ist das Netzwerk für Sozialunternehmer aus ganz Deutschland, vernetz den Sektor und gibt ihm eine Stimme. Bei den Lobby for Good Events treffen sich einmal im Monat alle Mitglieder des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland in Berlin. Gemeinsam setzen wir uns für die starke soziale Innovationskraft in unserer Hauptstadt ein. Bei den Treffen lernen wir voneinander und suchen nach Wegen zusammen etwas zu gestalten. Wir wollen #GemeinsamWirken. https://www.send-ev.de/

    For English speakers: SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland) and the Prototype Fund offer an opportunity for the social entrepreneurship and open source communities to network and build alliances. The event will consist in two short introduction talks, followed by a networking session. The talks will be held in German – English speakers are warmly welcome to join the networking session.

    Same, same, but different – das Zahlenorakel zu Runde 6

    Korrelation ist nicht = Kausalität (wissen wir natürlich), aber Spaß macht sie trotzdem!

    Um die Wartezeit auf die Bekanntgabe der geförderten Projekte aus der “Commit – System erneuern” – Runde zu verkürzen, haben wir aus Tradition mit einem handgefertigten Script in unserer Bewerbungsdatenbank gespielt – und Muster aus den Datenbergen geborgen.

    Insgesamt haben uns bis zum 31. März 259 Bewerbungen erreicht (inkl. englischsprachiger Einreichungen und Duplikate).

    Während in der letzten Runde noch Robert der häufigste Einreicher im Maschinenlern-Universum war, wurde er in dieser Runde vom Thron gestoßen, und zwar von Simon (geboren vermutlich irgendwann zwischen 1971 und 2002) & Sebastian (geboren vermutlich zwischen 1972 und 1995 – laut Quelle: beliebte-vornamen.de). Je 7 Projektvorschläge kamen von Trägern beider Rufnamen.

    Legt man die Altersmetrik zudem über die technologischen “Trends”, dann bestärkt sich der Eindruck sogar noch: Entwickler*innen, die z.B. mit SOLID und JavaScript arbeiten, scheinen ebenfalls Generation Y-ler zu sein. Die Namen “Jan”, “Martin”, “Christian”, “Tobias”, “Thomas”, “Johannes”, “Florian” und “Andreas” waren überproportional gut vertreten – die kommen straight from zwischen 1970 und 2000.

    Wir schlagen also unserer Analyse nach intergenerationale Brücken von GenX (der Generation, die sich bei geringerer sozialer Sicherheit mit den ökonomischen & ökologischen Sünden der Elterngeneration herumplagen muss) nach GenY (der Generation, die den Mehrwert sucht und mit modischem Schuhwerk Hierarchien flach tritt) und beeinflussen mit unserem Handeln und Werkzeugen wiederum die Generation Z (die gerade den Klima-Protest an vorderster Front wieder auf die Straßen trägt).

    Geht man bei den Ansätzen der HR-Departments mit, haben Sinn und Selbstverwirklichung für die beiden identifizierten Haupt-Einreicher-Generationen einen größeren Stellenwert als Sicherheit. Das untermauert auch unser erster Zwischenevaluationsreport: Um an einem Herzensprojekt arbeiten zu können, wagen Entwickler*innen den Schritt ins Experiment. You go, Public Interest-Technolog*innen!

    Die Parade aus xy-Chromosomen soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit 20% (bei 48 Einreichungen von Frauen, 199 von Männern und 22 ohne Angabe) der Anteil der weiblichen Einreichenden weiterhin nach oben zeigt im Vergleich zu vorherigen Runden. Und das soll gerne so bleiben, denn: Wessen Wissen Technologien baut, entscheidet ursächlich über den Erfolg von Infrastrukturen und Anwendungen (vgl.: whoseknowledge.org/issues/digital-infrastructure). Zielwert: mindestens 50%!


    Disclaimer: Wir ordnen hier nur die Haupt-Einreichenden zu, die Zahlen sagen also nichts über die Gender-Zusammensetzung der Gruppen aus. In den Teams sind häufig weitere Frauen beteiligt. Wir arbeiten weiterhin daran, mit unserem Outreach und den Themenschwerpunkten mehr unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.


    DIES, DAS, verschiedene Dinge: Weitere Felder und ihre Analyse

    Mit dem thematischen Zuschnitt der Runde, in diesem Fall im Bereich Nachhaltigkeit, wollten wir an die Grundfesten technischer Projekte und Communities heran, diese besser verstehen und stützen.

    Es erstaunt daher nicht besonders, dass mit 73 Einreichungen dieses Mal ein höherer Anteil der vorgeschlagenen Projekte sich mit Infrastruktur beschäftigen wollte. Ganze 130 Einreichungen verfolgen Civic-Tech-Ideen, 34 wollen Data Literacy erreichen und 22 Daten sicherer machen.

    “Commited” wurde sich auch auf den Themenschwerpunkt: Etwa die Hälfte aller Bewerbungen gab an, dass ihre Idee Schwerpunktbezug hat.
    Daneben gibt es auch viel “Dies” (125 Nennungen); “Das” (1390) und verschiedene Dinge.

    Egal welche Projekte von der Jury dann im Endeffekt berufen werden: Freuen könnt ihr euch als Nutzer*innen generell, denn: Die häufigste Zielgruppe ist immer noch „ALLE!“ oder “Menschen”. 😉 Den Zahn ziehen den Teams dann aber bald unsere UI/X-Coaches.

    Hoch im Kurs außerdem: Ideen für “Berlin” (27!). Wir bemerken bei den Antrittstreffen der Förderrunden beim Kennenlern-Spiel regelmäßig, dass unsere Geförderten übers ganze Land und alle Kontinente verteilt geboren werden – und sich dann in Berlin zusammenballen, wenn sie programmieren und Laufen gelernt haben… Dabei ist Digitalisierung eine Unternehmung, an der alle paritätisch teilhaben sollten: Stadt, Land, “Alt” (260) & “Jung” (1 – ööööhm) usw.

    Vielleicht deshalb auch der Ruf nach Plattformen (ganze 289 Nennungen im Fließtext). Ähnliches gilt für Webseiten (139 mal genannt, und Communities, 113 Nennungen). Zusammen ist man eben weniger allein: Etwa die Hälfte aller Einreichungen kamen von Teams! Hinter all diesen Tendenzen vermuten wir einen Wunsch nach mehr zwischenmenschlichem Austausch und funktionierenden Informations-Ökosystemen.

    Hier für euch die technischen Hardfacts:

    • Python: 77
    • JavaScript: 76
      • Node.js: 44
      • React.js: 36
      • Vue.js: 25
      • JSON: 21
      • Angular: 15
      • d3.js: 10
    • Django: 31
    • Ruby/Rails: 31
    • Linux: 30
    • Etherium/Blockchain: 29
    • Docker: 28
    • HTML: 28
    • PHP: 27
    • Android: 25
    • PostgreSQL: 25
    • ActivityPub/PubSub: 21
    • iOS: 21
    • Raspberry Pi: 20
    • CSS: 19
    • Solid: 16

    Bleiben wir zum Schluss bei den grünen Metaphern, die auch den Rundenschwerpunkt informiert haben: Die Saat ist ausgebracht, in den kommenden Wochen arbeitet unsere Jury daran, eine Endauswahl aus den Projekten zu Treffen, und dann kommen blühende Zeiten auf uns zu.

    Darüber können wir euch dann detailliert im Juni informieren!

    PTF goes FOSS, Teil 2 – Wir haben einen Plan.

    Wie wir im Januar angekündigt haben, wollen wir für die Arbeit im Prototype Fund endlich unserem eigenen Credo – “Open Source für alle” – folgen und dort, wo wir proprietäre Software nutzen, nach freien Alternativen suchen. Nun haben wir dafür einen ersten Plan entwickelt. Hurra!

    Vom Großen ins Kleine

    Um uns einen Überblick über unsere Tech-Praktiken zu verschaffen, haben wir ganz analog alle digitalen Werkzeuge, die wir nutzen, auf Klebezetteln gesammelt und sortiert. Erstaunlich viele davon waren bereits open source! Zu jeder verbleibenden proprietären Anwendung haben wir gesammelt, welche FOSS-Alternativen uns dazu einfallen. Als letzte Schritte in unserer Kartierungsübung haben wir versucht, mögliche Risiken bei einem Wechsel von einem Tool zum anderen abzuschätzen, und überlegt, welche Wechsel uns am drängendsten erscheinen. Mit dieser Übersicht fühlt sich die Aufgabe, unsere Werkzeuge und teilweise auch unsere Arbeitsprozesse umzustellen, nicht mehr ganz so groß an – jetzt hatten wir bewältigbare Bissen vor uns.

    Die wichtigste Erkenntnis aus der Diskussion: Es kommt nicht notwendigerweise auf die Größe an. Es ist verlockend, mit den kleinen Werkzeugen anzufangen, für die es klare offene Alternativen gibt, und so möglichst schnell die ersten Aufgaben abzuarbeiten. Aber wie unser Projekt-Admin zu recht anmerkte: Auch die Administration dieser kleinen Tools ist Arbeit. Deshalb lohnt es sich nicht, mit den kleinen Fischen anzufangen, wenn die kein integraler Bestandteil unserer Arbeit sind. Stattdessen sind andere Faktoren wichtig: Beispielsweise Datenschutz, der von einigen Werkzeugen gut, von anderen eher schlecht gewährleistet wird, oder wie abhängig wir von einzelnen Lösungen bereits sind.

    Im Gespräch miteinander ist uns auch klar geworden: Das ganze Team muss mit an Bord sein, damit der Wechsel gut läuft. Dabei mussten wir auch ein paar Kompromisse schließen und einigen Wahrheiten ins Auge blicken:

    Pragmatisch bleiben und sich Zeit lassen

    Unseren FOSS-Idealismus sollten wir mit einer Prise Pragmatismus würzen. Natürlich wollen wir so schnell wie möglich behaupten können, dass wir frei von proprietären Werkzeugen arbeiten. Zu viele Änderungen in den Arbeitsabläufen auf einmal können uns aber auch in der Projektarbeit lähmen. Das kann zu einer geballten Ladung an Nachfragen, Bugreports und Änderungswünschen führen, was wiederum in viel Arbeit für die Person resultiert, die die Technik administriert, das Team in der Nutzung neuer Anwendungen schult und Issues mit dem Team diskutiert. Denn der Umstellungsprozess ist nicht damit abgeschlossen, dass ein technisches System läuft, sondern er wird erst richtig spannend und manchmal auch herausfordernd, wenn Technik und Team zusammenwirken und ein soziotechnisches System daraus wird. Die Aufgabe, nach Lösungen für Fragen und Probleme zu suchen, liegt deshalb auch nicht nur bei den Admins, sondern ist Teamwork.

    Deshalb darf es auch mal etwas länger dauern, und bis wir den nächsten Schritt gehen – nämlich wenn der vorherige Schritt für alle abgeschlossen ist und wir das Gefühl haben, alles läuft wieder wie gewohnt. Und wenn wir ein Werkzeug auf unserer Liste entdecken, für das wir partout keine gute Alternative finden, dann gehen wir damit offen um und sorgen statt eines halbgaren Wechsels lieber dafür, dass bessere Alternativen entstehen können.

    Berührungsängste ernst nehmen

    Der Wechsel von einem Werkzeug zum anderen wird Zeit kosten – dabei ist es ganz egal, ob das neue Tool freie oder offene Software oder keins von beidem ist. Wir alle haben jede Menge zu tun, deshalb sind Sorgen über den zusätzlichen Aufwand und Berührungsängste vor neuen Werkzeugen berechtigt. Abbauen können wir sie, indem wir Schritt für Schritt vorgehen und allen genug Zeit und Unterstützung geben, um mit ihren Aufgaben trotzdem gut zu Rande zu kommen. Einen Wechsel in einer Stressphase zu forcieren oder zu erwarten, dass alle in der Anfangsphase einfach so weiterarbeiten können wie zuvor, wäre kontraproduktiv. Indem wir Zeit dafür explizit einplanen, neue Werkzeuge auszuprobieren, Feedback- und Auswertungsschleifen zu drehen und eigene Workflows zu entwickeln, und um unsere Erfahrungen im Team (und hier im Blog) zu teilen, wird FOSS nicht mit Stress und Ärger gleichgesetzt, sondern ist eine Chance für alle, etwas neues zu lernen.

    Richtig motiviert sein

    Zuletzt bleibt die Erkenntnis: Nicht immer ist der Schritt zur Open-Source-Lösung der einzig sinnvolle Weg. Sensitive Daten auf einem eigenen Server mit einer nicht auditierten Anwendung sind nicht unbedingt die beste Idee. Open-Source-Anwendungen sind nicht automatisch sicherer. Deshalb geht es gerade im Spannungsfeld Datenschutz vs. Datensicherheit darum, die Vor- und Nachteile eines jeden Schritts abzuwägen. Manchmal ist ein bestehender Service vielleicht auch die bessere Lösung im Sinne der Betroffenen; Open Source zum Selbstzweck ist keine ausreichende Motivation.

    Der Plan

    Nach dieser Diskussion haben wir uns auf die nächsten beiden Schritte geeinigt: Zunächst wollen wir unseren Newsletter von Mailchimp auf ein eigenes System umziehen. Die Gründe: Mailchimp nutzen wir regelmäßig für die Kommunikation, gleichzeitig ist unser Verteiler eine der größten Datenbasen, die wir haben. Mailchimp ist zwar DSGVO-konform nutzbar, ist aber in erster Linie ein Marketing-Tool, zu dem wir Menschen nicht länger drängen wollen und das mit schlechtem UX-Design dazu beiträgt, dass Mailadressen nicht gelöscht werden, obwohl sie das sollten. Ersetzen wollen wir es durch phplist.
    Im nächsten Schritt nehmen wir uns größeres vor und wollen eine Nextcloud zum Filesharing nutzen statt wie bisher ein Google Drive.

    Wie ihr seht, bleibt es spannend! Wir bedanken uns auch bei allen, die uns auf Twitter Mut zugesprochen und Hilfe angeboten haben. Wir haben uns entschlossen, erst einmal die nächsten Schritte zu testen und nicht gleich ein Wiki o. ä. einzurichten, in dem wir unser Wissen teilen und Alternativen auflisten können. Denn um ehrlich zu sein, sehen wir schon genug Tool-Diskussionen am Horizont! ⚒️

    Wir suchen Verstärkung: Projektmanager*in mit Schwerpunkt Events (Update: Bewerbungsphase zu Ende)

    Der Prototype Fund ist das erste Förderprogramm in Deutschland, das selbstständige Softwareentwickler*innen, Hacker*innen und Kreative dabei unterstützt, ihre Ideen in den Bereichen Civic Tech, Digital Literacy, IT-Sicherheit und Software-Infrastruktur umzusetzen. Unser Ziel ist es, technische Innovationen in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Wir (Adriana, Katharina und Thomas) suchen dabei jetzt Verstärkung mit Talent für Eventmanagement – BerufseinsteigerInnen sind herzlich willkommen!

    Du willst gemeinsam mit uns ein Pionier-Projekt voranbringen? Du arbeitest eigenständig und hast Lust, dich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen? Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung:

    Projektmanager*in mit Schwerpunkt Events (m/w/*)

    Du bist eine Macherin! Du willst Software-Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert unterstützen, hast Lust auf Veranstaltungsmanagement und ein Händchen für Multitasking. Du betreust unsere geförderten Projekte, stehst in ständigem Austausch mit den Menschen hinter den Projekten und hilfst bei organisatorischen Fragen sowie bei der Außendarstellung.

    Im Team übernimmst du die Organisation und Koordination der Events und unterstützt die Projekte dabei, ihre Anwendungen vorzustellen und sich zu vernetzen. Du betreust zusammen mit unserem Programmmanager Förderprojekte und Community und unterstützt ihre Arbeit.

    Deine Aufgabenbereiche sind:

    • Projektebetreuung: Du kommunizierst mit unseren geförderten Projekten, begleitest sie als Ansprechpartner*in in guten wie schlechten Coding-Wochen und hilfst bei administrativen Fragen. Darüber hinaus stehst du auch als eine Kontaktperson für die Alumni-Community zur Verfügung.
    • Communitybuilding: Du hältst die Fäden zusammen und überlegst dir Formate und Prozesse, wie man ein Netzwerk aufbaut und bestmöglich unterstützt.
    • Eventmanagement: Du bist die zentrale Figur im Team, die die Prototype-Fund-Events mit Weitsicht und Blick auf die Community ebenso wie die breitere Öffentlichkeit plant und betreut.
    • Du unterstützt bei der Vertretung des Projekts nach außen, z.B. auf Konferenzen, Hackathons oder anderen Events.

    Wichtig für uns ist:

    • Du arbeitest strukturiert, bringst erste Vorkenntnisse in Projektmanagement und dafür notwendigen Tools mit und kannst selbstständig Prioritäten setzen,
    • Du organisierst gerne Events und behältst dabei die Übersicht,
    • Du hast hohes Interesse an technischen Themen und Open-Source-Entwicklung,
    • Du hast Lust darauf, Communities, Ideen und Entwickler*innen zu vernetzen und bist kommunikativ und offen,
    • Du bist eine Teamplayer*in.

    Toll wäre:

    • Du hast bereits Veranstaltungen für Tech-Communities umgesetzt.

    Wir bieten dir:

    • Die Mitarbeit an einem spannenden Projekt mit einer engagierten Community und einem großartigen Team,
    • Zugang zu unserem deutschen und internationalen Netzwerk,
    • Den Freiraum, Themen einzubringen und neue Formate auszutesten,
    • Unterstützung in deiner beruflichen Weiterentwicklung,
    • Die Flexibilität, dir deine Aufgaben und deine Arbeitszeiten in Absprache mit dem Team oft frei einzuteilen.
    • Vertragsbeginn spätestens 01.06.2019
      Zeitl. Aufwand: 40h/Woche (Teilzeitregelung nach Absprache möglich)
      Gehalt: nach TV-L E12/S1
      Ort: Berlin
      Die Position ist bis Februar 2021 befristet.

    Unser Themenschwerpunkt für Runde 6: Commit – System erneuern

    Das Internet kennt (fast) keine Grenzen – Ressourcen und Wachstum aber schon. Deswegen gilt für uns: (Be-)denken first, digital second! Überrascht uns mit euren Softwareideen zum breiten Thema Nachhaltigkeit. Low and conscious Tech vor CPU overkill und Cyber! Wir wollen mit der Bewerbungsrunde 6 vor unserer eigenen Haustür kehren und denken verstärkt über Digitalisierung und ihre Folgen für die Umwelt nach. Und überlegen außerdem, wie man Nachhaltigkeit auch in Communities fördert.

    Die Lieferkette unserer Endgeräte führt aus Coltanminen im Kongo über chinesische Hardwarefabriken bis direkt in unsere Hosentaschen. Und nach Ablauf der geplanten Obsoleszenz wieder zurück in die südliche Hemisphäre, auf die Elektrohalde nach Accra.
    Die Tiefseekabel, die uns an den Informations-Highway anschließen, laufen durch die Ozeane, also durch einen der am stärksten gefährdeten Lebensräume – der gleichzeitig Nahrungsquelle, Klimamaschine, Rohstofflager, Energielieferant, Handelsroute und Sehnsuchtsort ist.
    An einem anderen Sehnsuchtsort, nämlich über den Wolken, geht es weiter:
    Die CO2-Emissionen, die die Infrastruktur um das Internet durch Rechenzentren produziert, sind mittlerweile höher als der Schadstoffausstoß des weltweiten Flugverkehrs.
    Auch in der Softwareentwicklung ist Ressourceneffizienz bisher noch kein wichtiges Kriterium – man denke nur an die rechenleistungsintensive Blockchain.

    Dreckschleuder Internet – und das nicht nur auf Reddit.

    Obwohl wir von den Daten und Informationen aus den Klimalaboren und Newsredaktionen ständig umgeben sind, hat uns die Kernbotschaft anscheinend noch nicht wirklich erreicht.
    Zeit, das Gesicht vom Display zu heben und einen Wandel einzuleiten: Kopf in den Sand zählt nicht.

    Resilienz braucht eine solide Basis, erst recht und besonders, wenn es ungemütlich wird. Und auch die passenden Tools und Infrastrukturen für die „nachhaltige Revolution“.

    Wir suchen Projektideen, die technisch experimentierfreudig, dabei gleichzeitig sozial und ökologisch verantwortungsbewusst sind; die Themenfelder im Anthropozän definieren und altbekannte nicht alt aussehen lassen, neue Anwender*innengruppen in ihren Blick nehmen oder problematische Wirkweisen von Technologien umkehren, egal ob die Software“lösung“ künstlerischer, wissenschaftlicher oder aktivistischer Natur ist.

    Für alle Bedeutungsebenen von Nachhaltigkeit gibt es in den vorherigen Runden und darüber hinaus bereits großartige Beispiele, angelegt in Software oder Gedankengängen:

  • Bilanzierungstools/Green Energy/Ökologischer Fußabdruck: Green Web Foundation
  • Visualisierungen und andere Monitoring-Technologien zur Aufklärung: luftdaten.info, WWF
  • Infrastrukturprojekte: Jekyll (statische Webseiten verbrauchen weniger Energie)
  • Resilienz: Bits&Bäume, “We lost the war” (legendärer Talk auf dem 22C3)
  • Commons/Allmende: Ernte teilen
  • Und außerdem in unserem Begleitforschungsreport zur Runde 6.

    Wir gehen den Dingen auf den Grund — und bilden neue Fundamente.
    Low and conscious tech vor Hightech und Cyber! Channelt Euren inneren MacGyver und inspiriert uns.

    Ausdrücklich laden wir neben diesem Schwerpunkt auch alle anderen Projektideen zur Bewerbung ein, die sich mit Software-Prototypen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen wollen und einem der vier Themenbereiche Civic Tech, Data Literacy, Datensicherheit und Infrastruktur zuzuordnen sind.
    “Artenvielfalt” und Dezentralisierung sind uns auch in den Bewerbungen wichtig – deswegen fordern wir insbesondere Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen in der Technologieentwicklung zur Bewerbung auf.

    Alle wichtigen Infos: auf prototypefund.de und prototypefund.de/faq

    Gute Vorsätze: Wir gehen Open Source

    Der Prototype Fund geht Schritt für Schritt Open Source – und wir halten euch auf dem Laufenden, wie gut das für uns funktioniert. Wir wollen zeigen: Ihr könnt das auch!

    Warum nutzt der Prototype Fund nicht schon längst nur Open-Source-Software?

    Der Prototype Fund ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland, einem gemeinnützigen Verein. Um schnell arbeitsfähig zu werden, machte die OKF, was viele Vereine in ihren frühen Jahren tun: Sie begann, kostenlose (und deshalb leider oft proprietäre oder datenschutztechnisch mangelhafte) Angebote zu nutzen: Nicht nur für die Kommunikation nach außen (Twitter, Mailchimp), sondern auch für die interne Organisation und die Projektarbeit (Asana, Trello, Slack, Google Drive, …). Je mehr wir uns aber nicht mehr “nur” für Offene Daten und Transparenz, sondern auch für Open-Source-Software eingesetzt haben, desto mehr haben wir damit gehadert und zu Recht dafür Kritik eingesteckt. Deshalb macht der Prototype Fund als Versuchskaninchen unter den Projekten der OKF den Anfang und versucht im Kleinen, wie wir den bösen Datenschluckern und Privatsphäreganoven den Rücken kehren können.

    Und wie soll das gehen?

    Schritt für Schritt. Wir sind ein überschaubares Projektteam und haben begrenzt Zeit, um neue Dinge auszuprobieren. Außerdem müssen wir arbeitsfähig bleiben. Wir haben zum Beispiel den Beginn der 4. Runde zum Anlass genommen, von Slack auf eine selbstgehostete Instanz von Rocket.Chat umzusteigen. Auf dem Weg dahin haben wir zwar einige Kontakte verloren, aber vor allem viel Zuspruch für den Wechsel erhalten. Unter den verschiedenen Alternativen (wie Riot oder Mattermost) zu Slack haben wir uns vor allem deshalb für Rocket entschieden, weil unser Admin damit Erfahrung hatte. Zu oft ist gerade Selbsthosten mit einem schwer abschätzbaren Aufwand verbunden und es ist unklar, wann und ob das gewählte Werkzeug am Ende überhaupt funktioniert. Erfahrungswerte zur Administrierbarkeit und Kontakte zu den Entwickler*innen sind deshalb Gold wert.

    Unser erstes Fazit zu Rocket.Chat:

    Jo, läuft. Nach ersten wackeligen Gehversuchen (damit wir irgendwann möglicherweise besser skalieren können, wird die Benutzer*innenverwaltung gleich über ein eigenes LDAP abgewickelt und nicht in der Anwendung selbst) sind wir ganz happy damit. Giphy-Integration (die in Rocket nicht vorhanden ist) wird ohnehin überbewertet! Die einzige Funktion, die wir regelmäßig vermissen, ist das Threading von Antworten zu Kommentaren. Das macht die Kanäle etwas unübersichtlich, führt aber (manchmal) auch zu mehr Funkdisziplin.

    Was kommt als nächstes?

    Ewiger Dorn im Prototype-Auge ist unsere Projekt- und Dokumentenverwaltung im Google Drive bzw. in Google Docs. Hier wägen wir gerade zwischen zwei Lösungen mit unterschiedlichem Feature-Set ab: Branchenvorreiter Nextcloud als Dateiablagesystem oder minimalistisches Cryptpad, um schnell Texte und Präsentationen zu erstellen – es bleibt spannend! Wir werden schonungslos ehrlich über unsere Erfahrungen schreiben und weitere Anekdoten aus der Selbsthilfegruppe Anonymer Open-Source-Nutzer*innen hier im Blog veröffentlichen. Wenn ihr Fragen oder Anregungen für uns habt, schreibt uns!