Public Interest Tech

Wir wollen Public-Interest-Technologien unterstützen und damit zivilgesellschaftliche Interessen realisieren. Deshalb fördern wir kreative Lösungsideen für große Herausforderungen, die digital-soziale Innovation zugänglich und nutzbar machen.

Bessere Technologien für Alle

Viele Entwickler*innen bringen bereits ihr Fach- und Erfahrungswissen für das Gemeinwohl ein und nehmen aktiv systemisch, interdisziplinär und “bottom up” an Innovationsprozessen teil, um Anwendungen zu schaffen, die die Bedürfnisse der Nutzer*innen in den Mittelpunkt stellen und frei verfügbar sind. Das Ergebnis sind nachhaltig zugängliche und adaptierbare Werkzeuge und Infrastruktur. Die Entwickler*innen agieren dabei mit einem Verständnis für die ethischen, rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des technologischen Wandels und entwickeln Technologien aus konkreten Bedarfen heraus. Wir wollen diese Art der Technologieentwicklung, öffentliche Förderpolitik und Zivilgesellschaft (noch) näher zusammenbringen.

Das steckt dahinter: Nutzer*innen sind nicht nur Konsument*innen von Software sondern oft auch Expert*innen. Sie haben wertvolle Ideen, aber bisher noch keinen ausreichenden Zugang zu den Ressourcen und Prozessen, die nötig sind, um diese in konkrete Anwendungen zu übersetzen. Public Interest Technologien orientieren sich an den Bedarfen und Wünschen der Nutzenden und lösen auf diese Weise real existierende Probleme und Herausforderungen. Dies betrifft einerseits die Entwicklung neuer Software, aber genauso die Instandhaltung und Weiterentwicklung bereits bestehender Software.

Auch bei der Art der Software selbst gibt es Unterschiede. Bei Software denken viele Menschen an konkrete Anwendungen: Programme, Apps oder andere Tools. Public Interest Tech ist mehr als das, denn offener Zugang fängt an der Basis an: Uns geht es auch um Softwareinfrastruktur. Diese beinhaltet beispielsweise Hosting oder Protokolle, die notwendig sind, um Anwendungssoftware überhaupt nutzen zu können. Infrastruktur versetzt uns erst in die Lage, zu kommunizieren, (zusammen) zu arbeiten und an Gesellschaft, Politik und Kultur teilzuhaben.

Deswegen betrachten wir Softwareinfrastruktur als eine der 4 Grundsäulen von Public Interest Tech. Daneben zählen Datensicherheit, Civic Tech und Data Literacy dazu. Während Civic Tech den Einsatz von Technologie für die Ermächtigung der Bürger*innen beinhaltet, geht es bei Datensicherheit um Tools und Infrastrukturen, welche den Nutzer*innen informationelle Selbstbestimmung ermöglichen. Als Data Literacy (oder auch Datenkompetenz) wird die Fähigkeit bezeichnet, mit Daten kompetent umzugehen. Das beinhaltet unter anderem, Daten zu erfassen, zu interpretieren und zu präsentieren – und stellt eine Kompetenz dar, die immer wichtiger wird.

Warum Public Interest Tech Unterstützung und Koordination braucht

Wir stellen den Ort und die Mittel bereit, die notwendig sind, um innovative Software-Prototypen mit einem Nutzen für die Gesellschaft umzusetzen: Insbesondere für freie Entwickler*innen und interdisziplinäre Teams, die vorher durch staatliche Förderinstrumente noch nicht berücksichtigt wurden.

Über das konsequente Verfolgen von Open-Source-Ansätzen erreichen wir eine breite Zielgruppe über die direkt Geförderten hinaus: Das kontinuierliche Verbessern von Technologie muss möglich sein und die Verwendung von Open-Source-Lizenzen ermöglicht genau dies. Mit der Veröffentlichung des Source Codes nach Förderende können Andere mit den entstandenen Prototypen weiter arbeiten. Denn selbst die überzeugendste Innovation ist wertlos ohne Instandhaltung – und es gibt keine Anwendung, die für jede Herausforderungen passt.

Open-Source-Software kann von allen Menschen weiterentwickelt werden, die programmieren können und einen internetfähigen Computer haben. Dieser offene Zugang ermöglicht eine breite Teilhabe – und sorgt dafür, dass effektiv Ressourcen gespart werden. Probleme müssen nicht doppelt und dreifach gelöst werden, wenn eine bereits bestehende Lösung adaptiert und/oder weiter genutzt werden kann. So bleiben mehr Geld, Zeit und  Arbeitskraft für wirkliche Innovation.

Hinter der Entwicklung von Open-Source- und insbesondere Public-Interest-Technologien steckt häufig die digitale Zivilgesellschaft, die oft unentgeltlich in ihrer Freizeit neu programmiert und ausbessert. Die Entwicklung und Instandhaltung von vielen Tools und Infrastrukturen liegt damit in den Händen Ehrenamtlicher, die mit ihren Projekten – und dazu zählen die Förderprojekte des Prototype Fund – einen Beitrag zu den Commons (Gemeingütern) leisten. Die Projekte schaffen – unabhängig von ihrer (finanziellen) Verwertbarkeit – die Grundlagen unseres (digitalen) Zusammenlebens und somit gesellschaftlichen Mehrwert: Sie bilden den Nährboden, um möglichst inklusiv einen aufgeklärten, mündigen und selbstbestimmten Umgang mit Technologien zu finden. Dieses Engagement muss anerkannt und gefördert werden.

Im Rahmen der Begleitforschung beobachten wir technologische und gesellschaftliche Trends sowie die “soziale Entwicklungsumgebung“ von Entwickler*innen und interdisziplinären Teams. Durch das Beschreiben ihrer kreativen und kooperativen Arbeitspraxen wollen wir dazu beitragen, dass das Erfahrungswissen aus der Zivilgesellschaft noch stärker wahrgenommen und in Innovationsprozesse einbezogen wird.