28.Mar 2018

Lesen Lernen

Als Team des Prototype Funds agieren wir an spannenden thematischen Schnittstellen – wir beschäftigen uns mit Technologie und den Zusammenhängen mit unserer Gesellschaft, mit Open-Source-Gedanken, Politik und Innovation, mit der Förderlandschaft in Deutschland und im internationalen Kontext und mit den individuellen Hintergründen der einzelnen Entwicklungen oder Entwickler*innen. Durch unsere Arbeit lernen wir stets dazu, wir werden aber auch täglich mit neuen Fragestellungen, Artikeln, Debatten und Meinungen konfrontiert, die nicht nur uns sondern auch andere Aktivist*innen, Journalist*innen und Techniker*innen interessieren.
Deswegen ist es uns ein Anliegen, zwischen den vielen täglich auftretenden Aufgaben die Möglichkeit zu haben, auf dem Stand der Debatten zu bleiben, uns das notwendige Hintergrundwissen anzueignen und immer wieder aufzufrischen.
Wir wollen uns dafür jeden Mittwoch Vormittag Zeit nehmen, um Artikel und Beiträge rund um unsere Themen und Interessen zu lesen und diese im Anschluss gemeinsam zu diskutieren. Der wöchentliche Lesetag ist – natürlich – ein Prototyp, den wir jetzt ausprobieren und anpassen. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist auf jeden Fall das Teilen unserer Learnings und Einblicke. Ein paar ausgewählte Artikel wollen wir daher regelmäßig hier verlinken:

 

Interview mit Armin Grunwald: „Die Leute merken nicht mehr, wie fragil das System ist“

Armin Grunwald leitet das Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und das parlamentarische Büro für Technikfolgeabschätzung im Bundestag. Im Interview äußert sich er sich einerseits zu Gefahren und Risiken des technischen Fortschritts, aber auch zu unserem Verhältnis zu den negativen Folgen.

Money Quote:

“Es gibt eine globalisierte Wirtschaft, aber kein globalisiertes Subjekt, das Grenzen und Standards setzen könnte.”

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gefahren-der-digitalisierung-die-leute-merken-nicht-mehr-wie-fragil-das-system-ist-1.3842973

 

Techplomacy: Denmark’s ambassador to Silicon Valley

Im letzten Jahr hat Dänemark Caspar Klynge zum “Tech Ambassador” ernannt, der in Palo Alto sein Land als Botschafter vertritt. Der Gedanke dahinter: Die Konzerne in Silicon Valley sind einflussreich und es ist eine Form von Diplomatie zwischen Staaten und Tech-Unternehmen notwendig, um den technischen Fortschritt zu steuern.
Sinnvoll für Dänemark? Ja. Nachvollziehbar? Definitiv? Werden weitere Tech Ambassadors folgen? Mit Garantie. Trotzdem hinterlässt diese Entwicklung bei uns ein ungutes Gefühl, denn die Bemühungen um diplomatische Beziehungen zu Silicon Valley sind eine erneute Bestätigung und Zeugnis ihrer unverhältnismäßig großen Macht.

Money Quote:

“Wir wurden dafür kritisiert, diese Firmen auf die gleiche Ebene wie souveräne Länder zu heben. Es gibt keine Alternative.”

https://www.politico.eu/article/denmark-silicon-valley-tech-ambassador-casper-klynge/

http://www.sueddeutsche.de/digital/tech-botschafter-fuer-daenemark-tech-konzerne-sind-viel-einflussreicher-als-mancher-nationalstaat-1.3828533

Who contributes to Open Source?

Über Github-Daten wurde analysiert, aus welchen Unternehmen Open-Source-Commits kommen. Dabei gab es ein paar überraschende Ergebnisse – die meisten Entwickler*innen, die an Open-Source arbeiten und ein Unternehmen angaben, kamen von Microsoft.

https://www.infoworld.com/article/3253948/open-source-tools/who-really-contributes-to-open-source.html

 

Disinformation and Democracy

Aljazeera zeigt in dieser zweiteiligen Dokumentation, wie Soziale Netzwerke Einfluss auf politische Entscheidung, Meinungsbildung und demokratische Systeme im allgemeinen nehmen. Die Kernaussage: ein Grundprinzip der Demokratie ist durch Soziale Netzwerke ausgehebelt worden. Vor nicht allzu langer Zeit hieß es noch “one person – one voice – one vote”. Durch den massiven Einsatz von Bots und koordinierte Aktionen von extremen Gruppen wird die öffentliche Wahrnehmung von one person – one voice stark verzerrt, und damit letztendlich auch die öffentliche Meinungsbildung beeinflusst. Nicht nur, aber auch deswegen werden Menschen in ihrem Wahlverhalten beeinflusst, was wiederum konkrete Auswirkungen auf ihr Leben und das vieler andere hat.

http://www.aljazeera.com/programmes/peopleandpower/2018/02/disinformation-democracy-180201060250730.html

 

The Promises, Challenges, and Futures of Media Literacy

Der Bericht beleuchtet das Phänomen “Fake News” und die bisherigen Bemühungen in den USA, mit Media Literacy gegenzusteuern. Dabei werden die Ansätze einer Kritik unterzogen und es wird dargestellt, welchen Herausforderungen sich Media Literacy stellen muss, um wirksam den Umgang mit Medien zu verbessern. Letztendlich führen Unterschiede in der Definition von Media Literacy dazu, dass die bestehenden Programme kaum vergleichbar und auswertbar sind. Media Literacy wird außerdem immer mehr als Verantwortung einzelner angesehen, nicht als systemisches Problem.

Money Quote:

“Most trainings focus on individual responsibility rather than the roles of the community, state, institutions, or developers of technologies. ”

www.datasociety.net/output/the-promises-challenges-and-futures-of-media-literacy/

 

The City That Remembers Everything

Geoff Manaugh erklärt am Beispiel eines Romans, was die Buzzwords Smart Home und Smart City eigentlich bedeuten: Ähnlich wie in James Joyces “Ulysses”, der einen Tag im Leben des Protagonisten detailliert und mit allen seinen Banalitäten dokumentiert, ist auch in der smarten Stadt jede Begebenheit, jede Handlung nachvollziehbar und erklärbar. Das bedeutet auch, dass der Schutz der Menge, den wir in der Öffentlichkeit zu genießen glauben, längst ausgehebelt ist.

Money Quote:

“ Urbanites everywhere are becoming infinitely tracked characters in a story someone else—something else—is writing, even as it is not yet clear what it means for their lives to be captured.”

https://www.theatlantic.com/technology/archive/2018/02/james-joyce-as-police-operation/553817/

Viel Spaß beim Nachlesen!