Papierloser Alltag

Svante Schubert , Yasmin Klemmt  

Die Idee des papierlosen, umweltfreundlichen Alltags ist nicht neu, doch nicht mal die digitale Rechnung hat sich bisher flächendeckend durchgesetzt. Vieles spricht jedoch dafür; allein 220 Fußballfelder deckt das Papier des Zahlungsverkehrs der deutschen Autoindustrie mit Zulieferern ab. Naturressourcen könnten geschont und lästige Arbeit gespart werden. Doch es fehlt die Akzeptanz sowie unterstützende Software. Ein Henne-Ei-Problem: Trotz eines rahmengebenden EU-Standards hat momentan jedes EU-Land seine eigene eRechnungs-Syntax. Allein in Deutschland existieren zwei eRechnungsformate und in Europa fast ein Dutzend, die alle EU-weit akzeptiert werden müssen. Ein Wildwuchs, der wie geschaffen ist für eine offene, zentrale Lösung zur Harmonisierung der eRechnungsformate.

Welches Problem willst Du mit Deinem Projekt lösen?

Wir möchten Bürokratie abbauen, indem wir eine offene, EU-taugliche eRechnungssoftware aufbauen. Andere offene Projekte können hierauf aufsetzen, ohne sich mit der Komplexität aller Formate befassen zu müssen. Die Annahme von eRechnungen, deren Prüfung und Erstellung ist heutzutage eine technische Basisfunktionalität. Erst die Weiterverarbeitung, wie das automatische Ausfüllen einer Überweisung, eine Erinnerung oder Anbindung an Steuersoftware würden den Nutzer*innen Vorteile bringen. Wir möchten erreichen, dass nicht nur wenige große Firmen diese Optionen besitzen, sondern sie allen Softwareentwickler*innen zur Verfügung steht, um innovative papierlose Anwendungen für alle zu entwickeln.

Wie löst Dein Projekt das Problem?

Die EU-Norm gibt den semantischen Rahmen für eRechnungen vor. Alle europäischen Rechnungsformate, die der neuen europäischen Norm (EN16931) genügen – wie XRechnung (de), ZUGFeRD 2.0/Factur-X (fr/de), PEPPOL (dk), ebInterface (at), Factura-e (es) –, müssen unterstützt werden, während sich alle nationalen Standards zweier existierender XML-Formate (UBL und UN/CEFACT CII) bedienen und deren Elemente auf die EU-Norm abbilden und/oder erweitern.
Im Gegensatz zu existierenden Lösungen wird nicht nur das XML eines Rechnungsformates (via JAXB), sondern das aller Formate (angefangen bei den beiden deutschen Formaten als Prototyp) unterstützt. Dabei wird Im-/Export sowie das EU-Modell als zentrales Laufzeitmodell und als Basis der API angeboten. Dazu werden die bestehenden XML-Grammatiken der Formate in eine Graph-Datenbank geladen und mit Metadaten angereichert. Abbildbare Teile erhalten identische Metadaten und können transformiert werden, am Ende wird jede Syntax über eine einheitliche Benutzersicht aus Metadaten abstrahiert, ein API abgebildet und Source-Code generiert.

An wen richtet sich Dein Tool?

Als Zielgruppe sehen wir jede*n Empfänger*in und Sender*in von Rechnungen, der*die nicht länger auf Papier und manuelle Bearbeitung angewiesen sein möchte. Dabei soll unser eRechnungs-Infrastrukturprojekt zunächst anderen Entwicklungsteams dienen, welche sich mit eRechnungen beschäftigen und basierend auf diesem Projekt innovative Lösungen aufbauen möchten. Vor allem andere Open-Source-Systeme, die unser Modul nutzen wollen, ohne sich mit der Materie der vielen EU-Formate im Detail beschäftigen müssen und sich dadurch auf die eigentlichen Funktionen fokussieren können.

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