Notfallwarnsystem für Open Source Mobilfunk

Harald Welte  

Welches Problem willst Du mit Deinem Projekt lösen?

Es gibt seit ca. einem Jahrzehnt diverse Mobilfunk-basierte Notfallwarnsysteme. Beispiele hierfür sind das ETWS (Earthquake and Tsunami Warning System) in Japan, CMAS/EWA (Wireless Emergency Alert) in den USA, und EU-Alert in der EU. Diese Systeme dienen der unmittelbaren Benachrichtigung aller Mobilfunknutzer*innen in der geographischen Region einer Gefahrensituation. All diese Systeme verwenden SMSCB (Cell Broadcast SMS) als Transporttechnologie im Mobilfunksystem. Mit den OSMOCOM-Projekten haben wir ebenfalls seit knapp 10 Jahren Open-Source-Implementationen von Mobilfunkinfrastruktur – leider bislang nur mit rudimentärem Support für SMSCB und ohne Unterstützung für Notfallwarnsysteme.
Das Problem ist, dass umfangreiche Notfallwarnsysteme zur Warnung der Bevölkerung technisch möglich sind und jeder Mobiltelefonbesitzer die client-seitige Technik in der Hand hält. Die netzwerkseitige Technologie ist jedoch bislang nur von Großkonzernen der ersten Welt für viel Geld erhältlich. Dies gilt es durch Implementation der technischen Standards als Freie Software zu ändern, und somit die Verfügbarkeit zu diesen Notfallwarnsystemen zu demokratisieren.

Wie löst Dein Projekt das Problem?

Im Rahmen des Projekts sollen bestehende Anwendungen für OsmoBTS, also Open-Source Base-Transceiver-Stations, und OsmoBSC, einen Open-Source-Controller, für GSM-Basisstationen, vervollständigt werden und um neue Features ergänzt werden – zum Beispiel eine automatische Testsuite oder Encoding-/Decoding-Funktionen für das CBSP-(Cell Broadcast Service Protocol)-Protokoll.
OsmoBSC soll Funktionen für die Verwaltung, das Routing und das Scheduling von SMS-Übertragung über Cell Broadcast (SMSCB) erhalten. Dafür wird ein neues OsmoCBC-Programm (Cell Broadcast Centre) als zentrale Instanz zur Verteilung und Verwaltung der SMSCB. entwickelt Außerdem entsteht ein REST-Interface zum User Interface und ein WebUI für OsmoCBC, um Nachrichten zu erfassen, zu schedulen oder zu löschen.

An wen richtet sich Dein Tool?

Direkte Zielgruppe sind Betreiber von OSMOCOM-basierten Mobilfunknetzen. Dies sind bislang vor allem kleine Netzbetreiber in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern (z.B.Rhizomatica). Indirekt geht es darum, dass die Nutzer solcher Community-Mobilfunknetze in Gefahrensituationen alarmiert werden können. Da diese Community-Netze in den avisierten Regionen oft die einzige Kommunikationstechnologie sind, ist eine alternative Alarmierung (abgesehen von Sirenen o.ä.) nicht möglich. Gefahren sind hier nicht nur klassische Naturkatastrophen, sondern z.B. kriminelle Übergriffe, Brände usw.

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