Projektstatus: Im Einsatz

macht.sprache.

Wir fördern inklusive und diskriminierungsfreie Übersetzungen.

Timur Celikel, Anna von Rath, Lucy Gasser, Kolja Lange
#Runde10 #Bildung/Aufklärung #Web-Apps
macht.sprache.

Welche gesellschaftliche Herausforderung adressiert euer Prototyp?

Die gesellschaftliche Herausforderung, die wir angehen, ist Diskriminierung. Diskriminierung passiert auch durch Sprache und wird durch schlechte Übersetzungen noch verschärft. Diskriminierende Übersetzungen werden von populärer Übersetzungs-Software wie Google Translate oder DeepL (re)produziert – denn sie geben die Diskriminierungen aus den Datensätzen wieder, mit welchen sie trainiert wurden.

Entsprechend sind diese Services nicht besonders sprachsensibel und reproduzieren z. B. Rassismen und Sexismen. Das englische “Race” wird zu “Rasse”. Berufsbezeichnungen werden sexistisch gegendert – bei DeepL wird aus “elementary school teacher” “Grundschullehrerin”, aus “Doctor” wird “Arzt”, aus “cashier” wird “Kassiererin”.

Diese maschinelle Übersetzung behindert die Überwindung der diskriminierenden Sprache und den sprachlichen Fortschritt – viele Übersetzer*innen oder Journalist*innen benutzen sie und so schleichen sich alte Diskrimierungen in aktuelle Übersetzungen ein. Unsere Browsererweiterung wird für diese Probleme sensibilisieren und Aufmerksamkeit schaffen. Mit unserer Hilfe muss nicht jede*r Übersetzende Expert*in für diskrimierungsarme Übersetzungen sein.

Wie geht ihr das Problem an?

Das Projekt macht.sprache. entwickelt eine Web-App, um politisch sensibles Übersetzen von Englisch nach Deutsch und von Deutsch nach Englisch zu fördern. Über Crowdsourcing sammeln wir eine Datenbank mit Übersetzungsbeispielen, führen Veranstaltungen mit Expert*innen durch und erschaffen letztendlich ein Übersetzungstool und ein Manifest, um Kulturschaffende und Journalist*innen zu befähigen, sensible Übersetzungen für ihre Arbeit zu nutzen.

Wir entwickeln für das Übersetzungstool eine Integration mit gängigen Übersetzungswebsites  wie Google Translate oder DeepL, sodass die Browsererweiterung auf diesen Seiten aktiviert wird. Übersetzungswebsites. Wenn sensible Begriffe (z. B. Race, Native American, Handicapped, Leitkultur, Ossi) auftauchen, die in unserer Datenbank vorkommen, werden Vorschläge zum Übersetzen gemacht.

Meist gibt es nicht eine “richtige” Übersetzung für einen Begriff; es ist kontextabängig. Daher gibt es eine sortierte Liste mit Übersetzungen, welche gewichtet sind in ihrer Qualität. Zu jeder Übersetzung gibt es Erläuterungen, in welchem Kontext sie sinnvoll sein kann.

Neben den Begriffen aus unserer Datenbank werden mittels Natural Language Processing Personenbezeichnungen erkannt, die potenziell sexistisch übersetzt werden. Die Erweiterung macht Vorschläge zu genderinklusiven und genderfreien Sprachformen.

Die Erweiterung für den Browser wird in JavaScript umgesetzt. Unsere bisherige App ist mit React erstellt und nutzt Firebase und Cloud Functions (auch JS) im Backend. Da die Begriffe direkt aus der Datenbank gespeist werden, setzen wir weiterhin auf diesen Tech Stack.

An wen richtet sich euer Tool?

Alle Nutzer*innen webbasierter Übersetzungssoftware, wie beispielsweise Kulturschaffende und Journalist*innen, die mit diversem Publikum kommunizieren und Texte auf Social Media, in Ausstellungen, Event-Flyern etc. zweisprachig veröffentlichen.