Infrastruktur für bargeldlose Zahlungen ohne Überwachung

Florian Dold  

Welches Problem willst Du mit Deinem Projekt lösen?

Durch technischen Fortschritt verdrängen bargeldlose Zahlungssysteme immer mehr die Benutzung von Bargeld im Alltag vieler Bürger*innen. Während die Bequemlichkeit dieser Zahlungsmöglichkeiten willkommen ist, werden die Nachteile oft übersehen: Die derzeitige Umsetzung ermöglicht die Totalüberwachung der ökonomische Aktivität von Benutzer*innen. Proprietäre Lösungen wie Apple Pay und Google Pay basieren auf geschlossenen Implementationen/Schnittstellen und werden von mächtigen US-Amerikanischen Oligopolen kontrolliert.
Diese erlangen so Zugriff auf die Aktivitätsprofile von Benutzer*innen, welche dann für Werbezwecke ausgewertet und/oder verkauft werden.
GNU Taler ist ein freies Online-Bezahlsystem, das die Privatsphäre von Kund*innen schützt und gleichzeitig das Einkommen von Händler*innen gegenüber Buchprüfer*innen offenlegt. Damit werden illegale Aktivitäten wie Steuerhinterziehung oder der Handel mit illegalen Waren erschwert. Die bisherige Implementation von GNU Taler ist jedoch stark auf das Bezahlen von Online-Inhalten im Browser fokussiert. Ziel dieses Projekts ist, GNU Taler mit NFC-Zahlungen auf Hardware-Plattformen (primär Smartphones) zu erweitern, um somit auch bequeme bargeldlose Zahlungen in Präsenzsituationen zu ermöglichen. Dies umfasst Szenarien, in denen nur eine der beiden Parteien Internetzugang hat.

Wie löst Dein Projekt das Problem?

Basis des Projekts bildet die existierende Implementation von GNU Taler, bestehend aus folgenden Komponenten (vereinfacht): 1. Die Exchange, der Zahldienstleister welcher Geld von einem Bankkonto (oder anderen Werteregistern) in anonymes digitales Bargeld umwandelt. Die Anonymität der Kund*innen beim Kauf wird mit der Benutzung von blinden Signaturen zum Abheben des digitalen Bargeldes gewährleistet. 2. Das Händler*innen-Backend, welches ein einfaches API zur Integration zur Abwicklung von Zahlungen mit GNU Taler in dem Online-Shop der Händler*innen bietet. 3. Die digitale Geldbörse (Wallet) der Kund*innen, welche digitales Bargeld verwaltet und Zahlungen abwickelt. Um NFC-Zahlungen zu ermöglichen, muss eine Bezahlterminal-App für Händler*innen entwickelt werden, welche sowohl mit dem Wallet als auch dem Backend kommuniziert. Das Wallet muss auf Smartphones portiert werden und das NFC Protokoll implementieren. Falls das Smartphone der Nutzer*in keinen Internetzugang hat, muss das Wallet über die Händler*in mit der Exchange kommunizieren. Um den Anforderungen von NFC-Payments gerecht zu werden, müssen kleinere Änderungen an den existierenden Protokollen implementiert werden, so wie eventuell existierende Fehler der vorhandenen Implementation behoben werden.

An wen richtet sich Dein Tool?

Das Projekt richtet sich an Institutionen und Organisationen die ihren Mitgliedern oder Kund*innen ein bargeldloses Zahlungsmittel anbieten wollen, ohne dabei die Privatsphäre der Käufer*innen zu verletzen. Im Kleinen könnte das Mensa/Cafeteria einer Schule, Universität oder Firma sein. In einem Größeren Umfang können Finanzdienstleister (wie z.B. Banken) Händler*innen und Kund*innen untereinander Zahlungen abwickeln lassen und von Transaktionsgebühren profitieren. Kunden und Händler profitieren dabei von der Austauschbarkeit des Zahlungsdienstleisters und Wettbewerb unter den Dienstleistern, da das Bezahlsystem auf einem offenen Protokoll mit offener Implementation basiert.

Logo: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Logo: Open Knowledge Foundation Deutschland